#14 – Vom Latrinensturz zur Reerdigung – Ein Nebeltag zwischen Mittelalter, MMA, Milliarden und Muttererde
Ein Freitagabend bei 34 Grad, und Sebastian lässt auf sich warten – mit kalten Füßen, während draußen die Hitzewelle über das Land rollt. Erst geht es um Abholzentren bei Rewe, Photovoltaik-Drohnen und ein Blockheizkraftwerk, das munter russisches (?) Gas verbrennt. Dann driften Nico und Sebastian über (noch!) KI-generierte Lavendelfelder bei Erfurt in den Genitiv Erfurts ab – und von dort, fast zwangsläufig, in den Erfurter Latrinensturz von 1184: ein Hoftag, bei dem der Boden unter etlichen Fürsten und Bischöfen buchstäblich nachgab und viele in der Latrine ertranken oder erstickten. Ein Abstecher zum Wormser Konkordat und Luthers Ketzerprozess rundet den mittelalterlichen Exkurs ab. Von dort schlägt Nico den Bogen – »eine sehr krude Überleitung«, wie er selbst zugibt – zu einem modernen Hoftag: dem Käfigkampf-Spektakel, das Donald Trump zu seinem 80. Geburtstag und dem 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung auf dem Südrasen des Weißen Hauses veranstalten ließ. Fünf Stunden UFC-Kämpfe, 60 Millionen Dollar Kosten, ein Kämpfer, der Trump dankt, er habe »die Eier, sowas zu machen«, und der Indian Treaty Room als Umkleidekabine. Nico und Sebastian diskutieren, ob sich darin die konsequente Ästhetisierung einer ganzen Präsidentschaft verdichtet. Der zweite große Block gehört Elon Musk, der in dieser Woche zum ersten Billionär der Menschheitsgeschichte wurde. Nico hat recherchiert, was das bedeutet: ein Geldturm von 1000 Kilometern Höhe in 100-Dollar-Scheinen und ein Vermögen, das trotzdem nicht reicht, um die deutschen Staatsschulden zu begleichen. Ein NZZ-Artikel liefert den historischen Vergleich: Jakob Fugger, der zeitweise zehn Prozent der Wirtschaftsleistung des Heiligen Römischen Reichs kontrollierte, Mansa Musa, der auf einer Pilgerreise Ägypten in eine Währungskrise stürzte, und Hatschepsut, deren Reich schätzungsweise zwanzig Prozent des damaligen Welt-BIP erwirtschaftete. Die Fußball-WM liefert das nächste Thema: Deutschlands 7:1 gegen Curaçao und die Frage, ob ein Familienabend auch mit MMA-Kämpfen funktionieren würde (eher nicht). Dann die Ankündigung: Nico und Sebastian gönnen sich eine Episode Sommerpause. Bevor es soweit ist, hat Timmy der Wal noch ein letztes, postmortales Kapitel: Eine DNA-Analyse hat ergeben, dass der gestrandete Buckelwal eigentlich ein Weibchen war – Anlass für eine bitterböse Pointe über Misgendering und die Frage, was Sprache eigentlich mit Realität macht. Genau diese Frage führt zu performativen Sprechakten: Trump verkündet eine Kooperation zwischen Apple und Intel, und der Börsenkurs steigt um neun Prozent, und zwar nur weil einer etwas gesagt hat. Die Parallelen reichen von der Transsubstantiation über die Taufe bis zum Gerichtsurteil, garniert mit einem Gedankenexperiment: Was passiert mit dem Goldpreis, wenn ein Goldasteroid auf die Erde fällt? Den Schluss bildet ein Doppelpack über Sprache und Schamgrenzen: erst der aktuelle Bußgeldkatalog fürs Beleidigen (»dumme Kuh!«, »Idiot!«, »fieses Miststück!« – alles hat seinen Preis), poliert mit den schönsten Beleidigungen der Geistesgeschichte von Thomas Bernhard über Schopenhauer bis Karl Kraus. Dann der Gegentrend: ein NZZ-Artikel über Euphemismen im medizinischen Sprachgebrauch, vom »Rückfall« als »Konsumereignis« bis zum Patienten, der zum Klienten wird, und der Fat-Acceptance-Bewegung, die sich das Wort »fett« zurückerobern will. Steven Pinkers Euphemismus-Tretmühle liefert die Theorie dazu. Zum Ausklang geht es noch um explodierende Festplattenpreise wegen KI-Rechenzentren, die siebzehn seltenen Erden und die »Reerdigung« – eine neue, kirchlich anerkannte Bestattungsform, bei der aus Menschen in zwei Wochen Muttererde wird. ⸻ Aufnahmedatum: 19. Juni 2026 Intro- & Outro-Musik: »Dark Girl« von Elijah_K, https://pixabay.com/music/beats-dark-girl-280133/