TalkTalk – Gespräche über Gespräche

TalkTalk – Gespräche über Gespräche

by Peter Gaide
Season 1
#13 mit Jochen Metzger: Wieso reden wir so selten mit Fremden?
Diesmal geht es in TalkTalk um kurze Begegnungen, die mehr bewirken können, als man denkt: ein Satz im Supermarkt, ein paar freundliche Worte beim Bestellen eines Kaffees, ein Gespräch im Zug. Mit dem Journalisten und Autor Jochen Metzger, der seit vielen Jahren über psychologische Forschung schreibt und podcastet, spreche ich darüber, warum Fremde für uns zugleich Risiko und Möglichkeit sind, warum höfliche Nichtbeachtung im Alltag wichtig ist und warum eine innere Stimme uns oft vom Ansprechen abhält. Jochen erzählt von Studien zu Small Talk, Pendlergesprächen, dem „Stranger on the Train“-Phänomen und dem Liking Gap: unserer Neigung, nach Gesprächen vor allem die eigenen schiefen Sätze zu erinnern, während das Gegenüber uns wahrscheinlich viel sympathischer fand, als wir dachten. Eine Episode über kleine soziale Signale, Fremdheit als Schutzraum und Begegnungen, die holpern dürfen. Jochen vergleicht das Reden mit Fremden am Ende mit Jazz: kein Notenblatt, trotzdem Musik. Und manchmal genügen ein paar beiläufige Worte, damit der Tag ein bisschen anders weitergeht. Mehr über Jochen Metzger: https://www.jochen-metzger.de/ Klasse Podcast-Folge von Jochen und seinen Kolleginnen über gute Gespräche bei Audible: "Gespräche – wie gelingen sie besser? Erzähl mir alles: Psychologie": https://www.audible.de/pd/Gespraeche-wie-gelingen-sie-besser-Hoerbuch/B0H4R1YCRZ Drei von uns angesprochene Studien und Begriffe: Gillian M. Sandstrom & Elizabeth W. Dunn: Is Efficiency Overrated? Minimal Social Interactions Lead to Belonging and Positive Affect https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1948550613502990 Nicholas Epley & Juliana Schroeder: Mistakenly Seeking Solitude https://psycnet.apa.org/doi/10.1037/a0037323 Erica J. Boothby, Gus Cooney, Gillian M. Sandstrom & Margaret S. Clark: The Liking Gap in Conversations https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0956797618783714 TalkTalk ist eine Idee und Produktion von Peter Gaide: https://www.linkedin.com/in/petergaide/ Artwork vom großartigen Christoph Kienzle: https://rosepistola.de/
#12 mit Matthias Mehl: Was verschwindet, wenn wir weniger miteinander sprechen?
In dieser Folge spreche ich mit dem Psychologen Matthias Mehl über Alltagsgespräche und über die Frage, was mit uns passiert, wenn sie seltener werden. Matthias Mehl erforscht, wie Gespräche unseren Alltag prägen. Dabei zeigt sich: Nicht nur tiefgehende, lange Unterhaltungen mit nahestehenden Menschen zählen. Auch kurze Begegnungen mit Menschen, die wir kaum kennen, verändern unser Gefühl von Nähe und Zugehörigkeit. Wir reden darüber, warum Small Talk mehr sein kann als höfliche Oberfläche: ein kurzer Austausch im Café oder ein paar Sätze an der Supermarktkasse. Und warum Self-Checkout, Smartphone und soziale Medien zwar vieles bequemer machen, zugleich aber kleine Gelegenheiten für ungeplante Begegnungen verschwinden lassen. Ein Gespräch über Alltagsgespräche, vertraute Fremde, Zugehörigkeit und die unterschätzte soziale Kraft beiläufiger Begegnungen. Mehr über Matthias Mehl: https://psychology.arizona.edu/person/matthias-mehl Die von uns angesprochenen Studien über die Bedeutung von Alltagsgesprächen: – Gillian Sandstrom: Once Upon a Stranger – Andy J. Merolla & Jeffrey A. Hall: The Social Biome TalkTalk ist eine Idee und Produktion von Peter Gaide, https://www.linkedin.com/in/petergaide/ Artwork vom fabelhaften Christoph Kienzle, https://rosepistola.de/
#11 mit Katharina Yombi: Warum tun wir uns mit Konflikten meist schwer?
Katharina Yombi begleitet Menschen durch Konflikte, die sie allein nicht lösen können. Als Mediatorin in Unternehmen kennt sie alle Seiten und weiß, dass es fast immer mehrere Versionen einer Geschichte gibt. In dieser Folge reden wir darüber, warum allein das Wort Mediation viele abschreckt. Was passiert, wenn jemand unfreiwillig mitmacht. Warum Konflikte manchmal jahrelang vor sich hinköcheln, bevor jemand handelt. Das Drama-Dreieck – Opfer, Schurke, Retter – und die unbequeme Frage: Was ist mein Anteil daran? Katharina Yombi ist hier zu finden: http://www.katharina-yombi.com Professionell ausgebildete Mediatoren werden vom Bundesverband Mediation e.V. vermittelt: http://www.bmev.de Zum Thema empfohlen: Holger Heinze hat ein Buch und einen Podcast zum Thema: Dramafreie Arbeitswelt. Besonders empfehlenswert: die Folge „Raus aus dem Drama-Dreieck! Konflikte konstruktiv lösen.": https://open.spotify.com/episode/2asfF4sw0jqIY9VrTMe7Do?si=978e30332da6450e Amy Gallo geht in Getting Along. How to Work with Anyone (Even Difficult People) der Frage nach, warum manche Arbeitsbeziehungen so schwierig sind. Und was sich da machen lässt. TalkTalk ist eine Idee und Produktion von Peter Gaide, https://www.linkedin.com/in/petergaide/ Artwork vom sehr tollen Christoph Kienzle, https://rosepistola.de/
#10 mit David Hugendick: Wenn Worte im Mund feststecken
Diesmal spreche ich mit David Hugendick, Journalist bei Die Zeit und Autor von „Jetzt sag doch endlich was. Über das Stottern“. David erzählt von Situationen, in denen das Nennen des eigenen Namens im Café zur Hürde wird, und von bevormundenden Ratschlägen wie „Ganz ruhig“, die ganz und gar nicht helfen. Wir reden darüber, wie sehr stockendes Sprechen Ungeduld, Befangenheit und Ohnmacht auslösen kann, warum flüssige Rede oft überschätzt wird und was ihm half, ein entspannteres Verhältnis zum eigenen Stottern zu entwickeln. Ein Gespräch über Worte, Warten, unfreiwillige Komik und die Ungeduld einer Gesellschaft, die das Wie der Kommunikation oft höher bewertet als das Was. „Jetzt sag doch endlich was“ ist bei Ullstein erschienen: https://www.ullstein.de/werke/jetzt-sag-doch-endlich-was/hardcover/9783550204302 Das von uns im Podcast angesprochene Interview mit dem Fußballer Ken Sema: https://www.youtube.com/watch?v=0UOfczPIDZg Die Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe ist ein gemeinnütziger Verein, der über das Stottern informiert und Menschen berät: https://www.bvss.de/ TalkTalk ist eine Idee und Produktion von Peter Gaide, https://www.linkedin.com/in/petergaide/ Artwork vom famosen Christoph Kienzle, https://rosepistola.de/
#9 mit Semra Altınışık: Wie spricht man mit einem Menschen, der an Demenz erkrankt ist?
In unserem Gespräch beschreibt die Gerontologin von der Alzheimer-Gesellschaft München, wie sich bei Menschen mit Demenz die Wahrnehmung verändert, während ihre Gefühlswelt oft erstaunlich intakt bleibt. „Das Herz wird nicht dement“ – ein Satz, der gut erklärt, warum Verständigung besser gelingt, wenn man diese andere Wirklichkeit versucht zu akzeptieren. Widerspruch hilft selten weiter. Sinnvoller ist es, das Gefühl hinter einer Aussage zu erspüren, statt am vordergründigen Wortlaut festzuhalten. Sätze wie „Du besuchst mich nie“ benennen meist keine Tatsache, sondern drücken ein Bedürfnis aus, zum Beispiel das nach Nähe. Genau deshalb ist es so wichtig, nicht defizitorientiert zu kommunizieren, sondern ruhig, klar und zugewandt. Auch wenn das im Alltag oft viel leichter gesagt als getan ist. Weitere Infos zum Thema: Niemand konnte Validation besser erklären als die Gerontologin Naomi Feil selbst: https://www.youtube.com/watch?v=ESqfW_kyZq8 Zwei empfehlenswerte Bücher: "Das Herz wird nicht dement" von Udo Baer und Gabi Schotte-Lange, Beltz, 2019. "Alzheimer und andere Demenzen" von Sabine Engel, Trias, 2020. DER deutschsprachige Podcast zum Thema Demenz von Christine Schön: https://open.spotify.com/show/0sx9A6opH0psSrE7cS0bXA?si=b22aaceec94b4849 Erster Teil von Eckart von Hirschhausens zweiteiliger ARD-Doku zum Thema Demenz: https://www.ardmediathek.de/serie/hirschhausen-und-das-grosse-vergessen/staffel-1/Y3JpZDovL3dkci5kZS9oaXJzY2hoYXVzZW51bmRkYXNncm9zc2V2ZXJnZXNzZW4/1 Webseite der Alzheimer-Gesellschaft mit vielen Infos und Verweisen: https://www.deutsche-alzheimer.de/ Idee & Produktion: Peter Gaide, https://www.linkedin.com/in/petergaide/ Artwork: Christoph Kienzle, https://rosepistola.de/
#8 mit Heiner Brunner: Was es bedeutet, in Katastrophen Halt zu geben
Heiner Brunner leitet das Kriseninterventionsteam des Deutschen Alpenvereins. Es wird gerufen, wenn am Berg Schlimmes passiert: jemand stürzt ab oder wird von einer Lawine verschüttet, ein Seilbahnunglück, Menschen werden vermisst, ein Kind ist schwer verletzt. Dann stehen er und seine Kolleginnen und Kollegen Betroffenen und Augenzeugen bei. Oder sie überbringen Angehörigen die Nachricht, dass jemand vermisst wird. Wir sprechen darüber, wie man Menschen in Ausnahmesituationen Stabilität gibt. Wie man mit akuten Belastungen, Sprachlosigkeit und Verzweiflung umgeht, Angehörige begleitet, die plötzlich mit Unfassbarem konfrontiert sind, und warum Kinder Katastrophen oft ganz anders erleben als Erwachsene. Auch die emotionale Wucht solcher Einsätze, die Fürsorge im Team und die Frage, wie Helfende selbst Halt finden, kommen zur Sprache. Wer mehr über die Krisenintervention erfahren möchte: Hier haben Heiner Brunner und sein Co-Autor Stefan Winter Informationen für Betroffene und Angehörige nach Berg-Unglücken zusammengestellt: https://www.alpenverein.de/artikel/krisenintervention-im-bergsport_90141b0e-6ff0-46ae-a7c7-fdb9ea2e74d1 Die erwähnte Bergretter-Dokuserie „In höchster Not" in der ARD-Mediathek: https://www.ardmediathek.de/serie/in-hoechster-not-bergretter-im-einsatz/staffel-1/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdFNlcmllcy9GMjAyNFdPMDA0MjM3QTA/1 Last but not least vielen Dank an Andrea Mertes, ohne die ich nie auf Heiner Brunner aufmerksam geworden wäre. :) Konzept & Produktion: Peter Gaide, https://www.linkedin.com/in/petergaide/ Artwork: Christoph Kienzle, https://rosepistola.de/
#7 mit Ulrich Bensel: Was bleibt nach so vielen Trennungen und Kündigungen?
Wie sagt man einem Menschen, dass er seinen Job verliert? Klar, angemessen, aber auch menschlich. Darüber spreche ich mit Ulrich Bensel. Er hat in 25 Jahren Personalwesen rund 1.500 Kündigungs- und Trennungsgespräche geführt und dabei eine Haltung entwickelt, die weit über den Moment hinausgeht. Es geht um Vertrauen, Zuhören und Respekt in schweren beruflichen Situationen. Und auch um ein paar größere Fragen: Was zeigt sich bei Restrukturierungen? Welche Rolle spielt HR im Vorstand? Und warum ist „Ich weiß es nicht“ manchmal die ehrlichste Antwort als Führungskraft? Idee & Produktion: Peter Gaide, https://www.linkedin.com/in/petergaide/ Artwork: Christoph Kienzle, https://rosepistola.de/
#6 mit Timo Frasch: Warum wir im Interview alles geben sollten, ohne uns aufzublasen
Timo Frasch ist politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Bayern. Ich schätze ihn nicht zuletzt wegen seiner Interviews, in denen er hemmungslos neugierig und schlau nachfragt. Außerdem schreibt er richtig gut. Vor kurzem ist sein Buch mit 20 Gesprächen mit Frauen erschienen: darunter Elke Heidenreich, Gloria von Thurn und Taxis, Janine Wissler, Sophia Thomalla – und seine Mutter Theresia Frasch. Wir sprechen über die Kunst des guten Castings, über die richtige Gesprächsvorbereitung, über Vertrauen und Tuchfühlung. Und darüber, dass wir nicht zuviel im Kopf vorsortieren sollten, bevor wir mit jemandem sprechen. Timos Interview-Bücher: https://fazbuch.de/produkt/eigentlich-muessten-mir-die-feministinnen-die-fuesse-kuessen/ https://fazbuch.de/produkt/sie-stellen-mir-fragen-die-ich-mir-die-ich-mir-nie-gestellt-habe-maennergespraeche/ TalkTalk ist eine Produktion von Peter Gaide: https://www.linkedin.com/in/petergaide/ Artwork von Christoph Kienzle, https://rosepistola.de/
#5 mit Aurelia Hölzer: Wie wir miteinander auskommen, wenn es keinen Ausweg gibt
Diesmal ist Aurelia Hölzer mein Gast – Chirurgin, Autorin und ehemalige Stationsleiterin der deutschen Forschungsstation Neumayer III in der Antarktis. Acht Monate lang hat sie dort mit acht weiteren Menschen überwintert. Isoliert, bei minus 40 Grad, zwei Monate in völliger Dunkelheit. Wir reden über das Leben im Eis und darüber, wie viel Wärme und Schönheit darin stecken kann. Über Teamdynamiken in Extremsituationen, Verantwortung, Nähe und die Kunst, sich nicht auf die Nerven zu gehen. Aurelia erzählt, wie aus Fremden ein Team wird und was wir über gutes Zusammenleben lernen können, wenn Ausweichen keine Option ist. Aurelias Buch "Polarschimmer" erzählt noch viel mehr über die Antarktis und die wichtige Arbeit, die dort gemacht wird: https://www.piper.de/buecher/polarschimmer-isbn-978-3-89029-591-6 Wer mehr über Neumayer III erfahren oder sich für die nächste Überwinterung bewerben möchte: https://www.awi.de/flotte-stationen/stationen/neumayer-station-iii.html Hier geht's zu "Vampire Station", dem Film von Aurelias Team. Der Plot: Ein Jäger wird in die Antarktis geschickt, um die letzten lebenden Vampire auf der Erde zu töten. Thrill! Aurelia spielt die Obervampirin: https://www.youtube.com/watch?v=s6VEwleSNpM
#4 mit Jessica Zeckert: Was, wenn wir trauern und uns die Worte fehlen?
Trauer ist eines dieser Themen, um die wir lieber einen Bogen machen. Bis wir plötzlich selbst mittendrin stecken: sprachlos, haltlos, überfordert. In dieser Folge spreche ich mit Jessica Zeckert, Trauerbegleiterin in Berlin, über den Umgang mit Verlust und darüber, was hilft, wenn scheinbar nichts mehr hilft. Jessica erzählt, wie sie Menschen in ihrer Trauer begleitet: ohne Plan, ohne schnelle Antworten, aber mit offenem Ohr und viel Geduld. Wir reden über Wut, Sprachlosigkeit, Berührung. Und darüber, wie wir mit Trauer leben lernen können, statt sie loswerden zu wollen. Das ist Jessicas Homepage: https://jessicazeckert.de/ Mehr über die von ihr erwähnte Trauertaskforce: https://trauertaskforce.de/ Die Malteser bieten in vielen Städten Trauerbegleitung an: https://www.malteser.de/trauerbegleitung.html Jessica erwähnt "Alternative Bestatter". In diesem Video erklärt Bestatter Hendrik Thiele, wie er arbeitet – und warum: https://www.youtube.com/watch?v=PHBASPzC30M TalkTalk ist eine Produktion von Peter Gaide: https://www.linkedin.com/in/petergaide/ Artwork wie immer vom famosen Christoph Kienzle, https://rosepistola.de/
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