
Gleisgeflüster
di Andreas KraniotakesStagione 2

Der eigentliche Skandal hinter MICHAEL WINTERHOFF
Michael Winterhoff galt jahrelang als Deutschlands bekanntester Kinderpsychiater, Bestsellerautor und gefragter TV-Experte. Heute steht sein Name für einen der größten Skandale der Kinder- und Jugendpsychiatrie der letzten Jahre. Der Prozess gegen Michael Winterhoff begann am 12. Februar 2025 vor dem Landgericht Bonn. Am 4. März 2026 wurde er wegen vorsätzlicher Körperverletzung in sieben Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung in einem weiteren Fall zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Das Urteil ist bislang noch nicht rechtskräftig. Die Ideen von Winterhoff wurden in Fachkreisen schon seit vielen Jahren kritisch gesehen. Trotzdem wurde er in der öffentlichen Wahrnehmung gefeiert, bekam große Bühnen, Talkshowauftritte und enorme mediale Aufmerksamkeit. Warum eigentlich? In diesem Video spricht Andreas Kraniotakes darüber, wie es so weit kommen konnte, warum einfache Antworten auf komplexe Probleme gesellschaftlich so attraktiv sind und was der Fall über Jugendhilfe, Psychiatrie, Autorität und unseren Umgang mit „auffälligen“ Kindern verrät. Es geht nicht nur um eine Einzelperson. Es geht um Systeme, Macht, Verantwortung und darum, warum Kinder oft keine echte Stimme haben. Die ARD-Dokumentation über den Fall Winterhoff: https://www.ardmediathek.de/video/der-kinderpsychiater-die-macht-des-dr-winterhoff/folge-1-der-star-s01-e01/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtNDFhODg5NTgtNjVjNy00MzJiLTk5MzEtNzk3MGVlOTJiM2U4 Kinderpsychiater vor Gericht - Aufstieg & Fall des Dr. Winterhoff (1/3) | WDR Doku: https://youtu.be/0jZ1n23t5V8?si=LZTUhclfLMu-fMwd Folgt uns auch auf Instagram: https://www.instagram.com/gleisgefluester_podcast/ https://www.instagram.com/jugendhilfe.gleis9dreiviertel/
FASD: die UNSICHTBARE Behinderung (mit Carina Eßer)
(S02|F04) FASD begegnet uns in der Jugendhilfe vermutlich häufiger, als wir denken. Und genau das ist Teil des Problems: Viele betroffene Kinder und Jugendliche werden nicht als beeinträchtigt erkannt, sondern als „faul“, „unmotiviert“, „schwierig“ oder „nicht erziehbar“ abgestempelt. In dieser Folge Gleisgeflüster spricht Andreas mit Carina Eßer über die Fetale Alkoholspektrumstörung, kurz FASD. Carina ist pädagogische Fachkraft, Pflegemutter eines betroffenen Kindes und Expertin für ein Thema, das in Pflegefamilien, Jugendämtern, Schulen und intensivpädagogischen Hilfen dringend mehr Aufmerksamkeit braucht. Es geht um Alkohol in der Schwangerschaft, Schuld und Scham, gesellschaftliche Verantwortung, Diagnostik, Pflegekinderhilfe, Jugendhilfeabbrüche und die Frage, warum klassische Pädagogik bei FASD oft an ihre Grenzen kommt. Eine Folge über eine unsichtbare Behinderung, über Menschen, die häufig falsch verstanden werden, und über Systeme, die besser helfen könnten, wenn sie früher genauer hinschauen würden. Folgt uns auch auf Instagram: https://www.instagram.com/gleisgefluester_podcast/ https://www.instagram.com/jugendhilfe.gleis9dreiviertel/ Carina Eßer (FASD Coaching): https://www.fasd-coaching.de/FASD Deutschland e. V. https://www.fasd-deutschland.de/
Vom „Systemsprenger“ und Obdachlosigkeit in ein neues Leben (mit Yannick)
In dieser Folge von Gleisgeflüster sprechen Andreas Kraniotakes und Yannick – und zwar nicht über junge Menschen in der Jugendhilfe, sondern mit einem, der sie selbst durchlebt hat. Mit drei Jahren kam Yannick in die Kinder- und Jugendhilfe, später folgten mehr als 15 Einrichtungen und eine geschlossene Unterbringung mitten in der Pubertät. Ein Lebensweg, der oft unter dem Begriff „Systemsprenger“ zusammengefasst wird. Doch was bedeutet das eigentlich aus der Perspektive eines Betroffenen? Yannick erzählt offen von Erfahrungen zwischen Wegsperren, Beziehungsabbrüchen und fehlender Aufklärung – aber auch davon, was ihm tatsächlich geholfen hat. Es geht um Macht, Grenzen, Vertrauen und die Frage, warum Beziehung oft der entscheidende Faktor ist. Heute steht er an einem ganz anderen Punkt: eigene Wohnung, Beziehung, Arbeit im Tiefbau. Eine Entwicklung, die viele ihm so nicht zugetraut hätten. Eine ehrliche Folge über Brüche, Wendepunkte und darüber, was Jugendhilfe leisten kann – und wo sie genauer hinschauen muss.
Wissenschaft, die Jugendhilfe WIRKLICH verändern kann (mit Marion Moos)
Warum scheitert gute Jugendhilfe manchmal nicht am fehlenden Wissen, sondern daran, dass dieses Wissen nicht im Alltag ankommt? In dieser Folge von Gleisgeflüster spricht Andreas Kraniotakes mit Marion Moos vom Institut für sozialpädagogische Forschung Mainz über Praxisforschung, Beteiligung und die Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse tatsächlich in der Kinder- und Jugendhilfe ankommen. Marion Moos gibt Einblicke in ihre Arbeit zwischen Forschung, Praxis und Fachpolitik. Es geht darum, warum Wissenschaft in der Jugendhilfe nicht im Elfenbeinturm stattfinden darf, welche Rolle junge Menschen und Familien in Forschungsprozessen spielen und warum Beteiligung weit mehr ist als ein pädagogisches Schlagwort. Gemeinsam sprechen Andreas und Marion über die großen Baustellen der Jugendhilfe: die Zusammenarbeit zwischen freien und öffentlichen Trägern, fehlende Standards, Machtfragen, Hilfeplanung, Fachkräftemangel und den schwierigen Transfer von Wissen in den Alltag. Ein besonderer Schwerpunkt der Folge liegt auf einem aktuell hochrelevanten Thema: Sicherheitsdienste und Deeskalationsteams in der Jugendhilfe. Wann können solche Strukturen sinnvoll sein? Wo liegen Risiken? Warum braucht es dringend verbindliche Standards? Und weshalb darf Sicherheit niemals als Ersatz für Pädagogik verstanden werden? Eine Folge über Forschung, die nicht nur Daten sammelt, sondern Praxis verändern will. Über junge Menschen, deren Perspektive ernst genommen werden muss. Und über die Verantwortung, genauer hinzuschauen, bevor wieder etwas passieren muss.
Wie verhindern wir den nächsten FALL OLE? (mit Markus Feuerherdt)
(S02|F01) In dieser Folge Gleisgeflüster starten Andreas Kraniotakes und Markus Feuerherdt in die zweite Staffel - mit einem Thema, das unbequem ist, aber längst zur Realität der Jugendhilfe gehört: Sicherheitsdienste in intensivpädagogischen Maßnahmen. Ausgangspunkt ist der sogenannte „Fall Ole“: Ein junger Mensch mit massivem Unterstützungsbedarf wurde in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie von einem Sicherheitsdienst begleitet. Laut Medienberichten soll es dabei zu massiven Übergriffen gekommen sein. Der Fall macht sichtbar, was passiert, wenn hochkomplexe Jugendhilfe auf fehlende Standards, unklare Verantwortung und massive Überforderung trifft. Andreas und Markus sind Geschäftsführer der Gleis 9 3/4 Jugendhilfe GmbH sowie des Deeskalationsteams (D-Team). Im D-Team wurden viele Standards, über die heute diskutiert wird, bereits eingeführt: klare Rollen, Dokumentation, fachliche Schulungen und eine spezialisierte Vorbereitung von Sicherheitsdienstmitarbeitern, bevor sie in der Jugendhilfe eingesetzt werden. Doch genau solche Standards fehlen vielerorts noch. Deshalb sprechen die beiden darüber, warum Sicherheit in der Jugendhilfe nicht mit Bewachung verwechselt werden darf, weshalb Wegschauen gefährlich ist und was passieren muss, damit junge Menschen in Krisen nicht zusätzlich zum Risiko eines überforderten Systems werden. MDR Investigativ Doku über den Fall Ole: https://youtu.be/KkLPkXBylKw?si=_XqwtM_bHeDHpvJkStagione 1

Gleisgeflüster Staffel 1 Recap: EURE FRAGEN, MEINE ANTWORTEN
In dieser besonderen Folge von Gleisgeflüster blickt Andreas Kraniotakes auf die erste Staffel zurück und beantwortet Fragen, die nach den bisherigen Gesprächen aus der Community entstanden sind. Andreas Kraniotakes ist Diplom-Pädagoge, Trainer für Gewaltfreie Kommunikation, Gründer von Gleis 9¾ und fachlich verantwortlich für intensivpädagogische Konzepte, Deeskalation und Gewaltprävention. Seine Perspektive verbindet praktische Erfahrung aus der Jugendhilfe mit einem klaren Blick auf Systemgrenzen, Beziehungsgestaltung und professionelle Haltung. Im Mittelpunkt steht kein klassisches Interview, sondern ein ehrliches Staffel Recap: Welche Themen haben sich durch die erste Staffel gezogen? Welche Fragen sind offengeblieben? Und was lässt sich aus den Gesprächen mit Gästen aus Jugendhilfe, Schule, Therapie, Jugendamt und angrenzenden Systemen für die Praxis mitnehmen? Eine Folge über Rückblick, Einordnung und die Frage, was Fachkräfte, Träger und Systeme aus diesen Gesprächen lernen können.
Disziplin, Dämonen und falsche Vorbilder (mit Markus Rühl)
In dieser Folge von Gleisgeflüster spricht Andreas Kraniotakes mit Markus Rühl über weit mehr als Bodybuilding. Es geht um Disziplin, Strukturen, Identität, Rückschläge und die Frage, warum viele junge Menschen heute zwischen Leistungsdruck, Social Media und Selbstzweifeln ihren Platz suchen. Markus Rühl ist ehemaliger Profi-Bodybuilder, Unternehmer und heute eine der bekanntesten Stimmen im deutschsprachigen Fitnessbereich. Im Gespräch erzählt er, wie sehr ihn der Sport nicht nur körperlich, sondern auch mental geprägt hat. Er spricht über innere Unruhe als Antrieb, über Schmerz, Ehrgeiz und die Schattenseiten eines Lebens, das sich fast nur um Leistung dreht. Gemeinsam schauen Andreas und Markus auf Parallelen zwischen Spitzensport und Intensivpädagogik: auf junge Menschen, die nach Zugehörigkeit suchen, auf den Wert von Struktur, auf das Ringen mit dem eigenen Selbstbild und auf die Frage, wie man Halt geben kann, ohne jemanden zu verbiegen. Außerdem geht es um die Wirkung von Social Media, um falsche Körperideale, um Verantwortung als öffentliche Person und darum, warum Authentizität oft leichter gesagt als gelebt ist. Eine Folge über Härte, Ehrlichkeit, Selbstkritik und darüber, was Menschen stark machen kann und was sie manchmal fast zerstört. *Disclaimer: diese Folge konnte aus logistischen Gründen nicht im Studio aufgenommen werden. Wir hoffen, dass ihr trotzdem Spaß beim Zuschauen habt. Folgt uns auch auf Instagram: https://www.instagram.com/gleisgefluester_podcast/ Markus Rühl: https://www.instagram.com/markusruehl/
Trauerbegleitung: Die größten Missverständnisse (mit Manuel Schweichler)
In dieser Folge des Podcasts Gleisgeflüster sprechen Andreas Kraniotakes und Manuel Schweichler über Trauer und darüber, warum sie weit mehr ist als der Verlust eines geliebten Menschen. Manuel Schweichler ist pädagogische Leitung bei TrauBe e.V. Köln, systemischer Coach und Heilpraktiker für Psychotherapie, mit viel Erfahrung in der Begleitung von Trauerprozessen und einem sehr klaren, ruhigen Blick auf ein Thema, das viele lieber vermeiden. Gemeinsam schauen sie auf die Realität von Trauer im Alltag und in der Jugendhilfe, auf unsichtbare Verluste, auf gesellschaftliche Erwartungen und auf die Unsicherheit im Umgang mit trauernden Menschen. Es geht um die Vielfalt von Trauer, um Schuldgefühle und Sprachlosigkeit, um die Frage, wie man überhaupt unterstützen kann und warum Loslassen nicht immer der richtige Ansatz ist. Außerdem sprechen sie darüber, wie Fachkräfte mit trauernden Kindern und Jugendlichen umgehen können, warum Prävention in Einrichtungen so wichtig ist und weshalb Haltung oft entscheidender ist als jedes Konzept.Die Sicht eines Jugendamtsleiters (mit Philipp Thelen)
In dieser Folge von Gleisgeflüster sprechen Andreas Kraniotakes und Philipp Thelen darüber, wie sich die Jugendhilfe verändert und warum einfache Lösungen oft nicht greifen. Philipp Thelen ist Leiter des Jugendamtes Duisburg und seit über 20 Jahren in der Jugendhilfe tätig. Er gibt persönliche Einblicke in seinen Weg ins System und teilt, was ihn auf dieser Reise geprägt und überrascht hat. Im Gespräch geht es um steigende Komplexität, Intensivpädagogik und die Frage, ob Hilfen manchmal zu spät greifen. Eine ehrliche Folge über Verantwortung, Grenzen und ein System, das viel leistet und gleichzeitig vor einigen Herausforderungen steht.Psychotherapie mit "Systemsprenger:innen" (mit Dr. Nina Schünemann)
Was, wenn gut gemeinte Hilfe manchmal mehr schadet als nutzt? In dieser Folge von Gleisgeflüster spricht Andreas Kraniotakes mit Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Dr. Nina Schünemann darüber, warum Therapie nicht automatisch die richtige Antwort ist und weshalb Stabilität oft wichtiger ist als der schnelle „Start“. Im Zentrum steht eine unbequeme Erkenntnis: Viele Reaktionen von Fachkräften sind menschlich, aber nicht immer hilfreich. Warum Betüdeln und „in Watte packen“ Entwicklung eher ausbremsen kann und weshalb „ausreichend gut“ ein sinnvoller Leitspruch ist, erfahrt ihr in dieser Folge. Eine Folge über Therapie mit sogenannten „Systemsprenger:innen“, typische Missverständnisse und die Frage, wann Helfen wirklich hilft.